Samstag, 19.05.2012

Königin Luise hielt Hof auf der Pfaueninsel

30.Mai 2010 | Kategorie: Freizeit

Königin Luise hielt Hof auf der Pfaueninsel

Königin Luise hielt Hof auf der Pfaueninsel

Von WOLFGANG SCHUBERTH
Unter dem Motto „Luises Bauernhof“ wurde auf der Pfaueninsel viel geboten für Groß und Klein. Hufschmied Ronny Höfer zeigte, wie man das Eisen formt, wenn es noch heiß ist. Haflinger „Olaf“ zog den Pferdewagen über die Sandwege. Butter wurde gemacht, Garn gesponnen und Bier nach historischem Rezept gebraut. Dazu gab es Kammermusik und historischen Tanz.

Die bäuerliche Welt zu Zeiten der Königin Luise zog viele in ihren Bann. Auch den Nachwuchs. Die Kinder konnten Ponyreiten, Sonnenblumen pflanzen oder bei der Schafschur zuschauen. Auf einer großen Wiese wurden historische Kinderspiele angeboten. Da war für alle Kids was dabei.

Der Schmied zeigte, wie man ein Hufeisen formt

Der Schmied zeigte, wie man ein Hufeisen formt


Rückblick: Ende des 18. Jahrhunderts wandte sich das Bürgertum und der Adel wieder mehr der Natur zu. “Zurück zur Natur!” war das beliebte Motto und ging Hand in Hand mit dem Beginn der preußischen Reformen und der Lockerung des ständischen Systems. Was auf der Pfaueninsel von Königin Luise eindrucksvoll zu sehen war: Kühe, natürlich besonders gepflegte und duftende Exemplare, standen im Stall der Meierei zum Melken bereit. Luise liebte Butterbrote und ein Glas Milch dazu. In dem ursprünglich zur Entenjagd errichteten Beelitzer Jagdschirm parlierte die höfische Gesellschaft beim Tee. Bauern beackerten den Boden und der Lärm des Hufschmieds hallte über die Insel. Und an besonderen Tagen lustwandelte das Volk über die Pfaueninsel.

Diese Welt erwachte für einen Tag zum Leben. Kinder und Erwachsene der Tanzgruppe “Passi nel Tempo” und des Paretzer Liebhabertheaters luden in historischen Kostümen zu historischer Musik, Tanz und altem Spiel und versetzten die Besucher in längst vergangene Zeiten. Führungen zum Thema der historischen Landwirtschaft mit alten Ackergeräten und Pferden, der traditionellen Beweidung der Wiesen und zur Landschaftspflege zeigten neue Aspekte der Pfaueninsel. Man sah die Hirten beim Scheren der Schafe, die Spinnerin an ihrem Spinnrad, der Hufschmied schwang den schweren Hammer und die Gärtner gaben das ein oder andere Geheimnis preis. Und selbstverständlich durfte in der Meierei Luises das Buttern nicht fehlen.

Für das Leuchten der Kinderaugen sorgten nach Spiel, Spaß und Tanz sicher auch das Ponyreiten, Basteln und die Mitmachaktionen unter freiem Himmel. Und damit der schöne Tag auch noch zu Hause erinnert und gepflegt werden konnte, durfte jedes Kind in der Gärtnerei mit fachmännischer Unterstützung eine Sonnenblume pflanzen und als Geschenk mit nach Hause nehmen. Für die Großen gab es traditionell gebrautes Bier.

Die Pfaueninsel, Fauna-Flora-Habitat-Gebiet der Europäischen Gemeinschaft und zum UNESCO-Welterbe der königlichen Gartenlandschaften von Berlin und Potsdam gehörig, stellt eine architektur-, kultur- und gartengeschichtliche Einzigartigkeit dar, in der sich Einflüsse aus aller Welt in zuweilen bizarrer Exotik mischen. Der Insel haftet ein eskapistischer Zug an: Hier wurde man durch fremdländische Pflanzen, Tiere und Bauten in ferne Zeitalter und Regionen hineinversetzt, zum Beispiel mit dem otaheitischen Kabinett, der holländischen Küche, dem Schweizerhaus und dem italienisierend gestalteten Lamahaus. An die Bildungslandschaften der europäischen Aufklärung knüpfte der Jakobsbrunnen als verkleinerte Nachbildung der Ruine des antiken Serapistempels in Rom an. Vierzig Jahre im Grenzgebiet der beiden deutschen Staaten gelegen und nur vom Westteil Berlins aus zugänglich, kann die Insel heute von Besuchern aus nah und fern entdeckt werden.

Nach dem Tod Luises im Jahre 1810 wurde sie zum Gedenkort und von dem Gartenkünstler Peter Josef LennĂ© in einen Landschaftspark umgewandelt. Eine Vielzahl heimischer und exotischer Tiere bevölkerte die Insel. Für die Tiere und die botanischen Attraktionen entstand bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine Vielfalt an Gebäuden, oft versetzt mit Originalbauteilen aus aller Welt. Das 1880 abgebrannte Palmenhaus galt als einmalige Sehenswürdigkeit im kontinentalen Europa. “Berlins erster Zoo” wurde schon damals regelmäßig dem bürgerlichen Publikum geöffnet. Heute sind es noch die Pfauen, die der Insel ein exotisches Gepräge geben.

SERVICE
Luise. Die Inselwelt der Königin.
Berlin, Pfaueninsel
1. Mai – 31. Oktober 2010

Adresse und Verkehrsanbindung
Pfaueninsel, Nikolskoerweg, D – 14109 Berlin
von Berlin: S7 bis Wannsee; Bus 218 bis Fähranleger
von Potsdam: Tram 93 bis Glienicker Brücke; Bus 316 bis Nikolskoer Weg; Bus 218 bis Fähranleger
Parkplätze am Nikolskoerweg

Öffnungszeiten
Pfaueninsel:
Mai – August: täglich, 8-21 Uhr, September: täglich, 9-19 Uhr, Oktober: täglich, 9-18 Uhr
Parkgebäude und Meierei:
Mai – Oktober: täglich, 10-17 Uhr
Schloss:
Mai – September: täglich außer Montag, 10-18 Uhr, Oktober: täglich außer Montag, 10-17 Uhr
(Besichtigung nur mit Führung)
Letzter Einlass jeweils 1/2 Stunde vor Schließzeit

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